Das Jakob-Brucker-Gymnasium engagiert sich fürs Gemeinwohl
Am Anfang dominierten Skepsis und Zurückhaltung: Was kommt auf uns zu? Was sollen wir drei Stunden mit 28 Halbwüchsigen machen? Genauso auf der anderen Seite: Was sollen wir als 16jährige Jugendliche einen Vormittag in einer Kindertagesstätte?
Motiviert durch die Initiative des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier hatte sich das Jakob-Brucker-Gymnasium entschlossen, in diesem Jahr einen „Tag des Ehrenamtes“ Eingang in die letzte Schulwoche finden zu lassen. Jede Klasse sollte sich frei entscheiden, ob sie an diesen Tag einem ehrenamtlichen Engagement nachgehen oder lieber den regulären Unterricht besuchen wollte. Letztendlich machten sich 15 von 25 Klassen in ganz verschiedenen Richtungen auf:
Während die einen die Lebenshilfe kennen lernten und die Behinderten bei ihrer Arbeit in den Werkstätten unterstützen, gingen die die anderen ins Generationenhaus oder ins Altersheim und spielten dort mit den Senioren Brett- und Kartenspiele. Wieder andere putzten, kontrollierten und etikettierten Waren im FamilyStore von Humedica, eine elfte Klasse informierte sich über das Gratislädle und half dort beim Sortieren der Lebensmittel. Auch in der Kleiderkammer des Tänzelfestvereins gab es Arbeit: während es für die dortigen Mitarbeiterinnen oft mühsam ist, mit einer Leiter die Oberschränke auszuputzen und korrekt zu bestücken, war es für die Schüler ein Leichtes. Eine sechste Klasse half dem Alpenverein bei der Reinigung bzw. Erneuerung des Bodenbelags um den Kletterturm. Schüler, die sonst eher nicht durch besondere Achtsamkeit auffallen, gingen plötzlich im Kinderhaus Wolftriegelstraße an der Hand von Zweijährigen spazieren. Wieder andere kümmerten sich um die Tiere in Beckstetten, informierten sich über den Wünschewagen vom ASB, die Arbeit der Feuerwehr oder sammelten Müll an der Wertach, im Jordanpark und um das DAV-Gelände. Eine einzige Klasse der Oberstufe hatte sich kein ehrenamtliches Engagement für diesen Tag gesucht. Da aber alle ihre Lehrer ausgeflogen waren, wurden sie kurzerhand dazu motiviert, sich auf dem Schulgelände zu engagieren und den Beach-Volleballplatz auf Vordermann zu bringen.

Es war für alle ein Tag neuer Erfahrungen. Die Jugendlichen kamen mit Dingen in Berührung, die sie bestenfalls vom Hörensagen kannten. Ein zukünftiges FSJ im Kindergarten ist plötzlich eine ernstzunehmende Option, nachmittags zwei Stunden beim Sortieren von Lebensmitteln zu helfen eine sinnstiftende Freizeitbeschäftigung. Die Einrichtungen im Gegenzug waren überrascht, was motivierte Jugendliche mit sichtbarer Freude an der Arbeit in zwei, drei Stunden alles schaffen können.
D. Herrmann
