Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ ist z.Zt. länderübergreifendes Abiturthema in Deutsch. Ein Stück zu lesen, ist das Eine (eigentlich Widernatürliche), es im Theater live erleben zu können, aber etwas ganz Anderes. Insofern gebührt dem Münchener Residenztheater Dank, dass es das Stück ins Repertoire genommen hat. Schnell wurde auch vor Ort klar: Unsere zwölf interessierten Eleven und Elevinnen aus zwei Deutschkursen und ihre drei Begleitlehrkräfte befanden sich unter Ihresgleichen. Zahllose Oberstufenschüler und deren Deutschlehrkräfte besetzen das Theater und und folgten einer Kleist-Inszenierung, die recht deutlich den komödiantischen Charakter des Stücks herauskehrte. Auf einer moderaten Drehbühne agierten die agilen Staatsschauspieler eindrucksvoll und dem barhäuptigen, körperlich lädierten Dorfrichter Adam traten dabei – zumindest die männlichen Figuren – in modisch wallendem Haupthaar kontrastiv gegenüber. Eine Überraschung war schließlich der Ausgang des Stücks, der vom Kleistschen Wortlaut abwich und mit Eves abschließendem Statement zum Geschehen einen modernen emanzipatorischen Ansatz bot. Applaus nicht nur für die gelungene Aufführung, sondern auch für das Interesse unserer zwölf Schüler; Herr Dössinger nahm die von Herrn Wilm bereits zum 2. Mal wasserdicht organisierte Theaterfahrt posthum ins Eliteförderprogramm unserer Schule auf. Elite ist und war eben noch nie für die Masse.
A. Gruber
