Gemeinsam auf Phantasiereise

Erste Lesenacht am JBG wird zum Erfolg

Der vermeintlichen Krise des Lesens will das Jakob-Brucker-Gymnasium wirksam die Stirn bieten, indem es unter anderem eine Lesenacht für über 90 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5 anbietet. Zum ersten Mal hat die Veranstaltung nun Anfang Februar stattgefunden, das Fazit ist überaus positiv.

Nehmen wir an, Heinrich Heine hatte recht mit seiner Annahme, von allen menschgemachten Welten sei die der Bücher die gewaltigste: Warum hört man dann Unkenrufe von der schwindenden Relevanz der Literatur, vor allem im Hinblick auf junge Menschen? – Zu groß scheinen der Druck der multimedialen Konkurrenz, der Zeitmangel, die Ablenkung, das Primat vermeintlicher Realität, zu “alt“ Gestalten wie Heine…

Allzu fatalistische Ausrufe dieser Art finden am JBG seit der ersten Lesenacht kaum noch Gehör, denn ja, die Begeisterungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen für poetische Literatur ist offensichtlich, wenn man sie nur anbietet und einen schönen Rahmen setzt. Gemeinschaft stärken, integrieren, begeistern, das Feuer für Literatur wecken oder nähren – unter dieser umfassenden Zielsetzung versammelte ein Team aus Lehrkräften samt Schulsozialarbeiterin Rebekka Martin und vielen Tutoren aus höheren Jahrgangsstufen die Neulinge am Gymnasium, um ihnen drei Stunden lang Geschichten vorzulesen. Nach einem geselligen Abendessen durchwanderten die Schülerinnen und Schüler, ausgestattet mit Sitzkissen und Decke, fünf stimmungsvoll beleuchtete Räume, um Auszüge aus den neuesten Werken der Jugendliteratur zu hören. Oliver Pötzschs Roman „Die schwarzen Musketiere“ begeisterte dabei ebenso wie J. J. Arcanjos „Schule der Meisterdiebe“ oder „Magic Island“ von Andreas Suchanek. Auch poetische Ausflüge in die römische Antike und der Besuch einer Kreativstation standen auf dem Programm. Letztere sollte die Möglichkeit bieten, das Gehörte selbstgeleitet und spielerisch zu verarbeiten, ein eigenes Lesezeichen zu gestalten oder einen Brief an die Romanfiguren zu schreiben.

Angesichts der sehr positiven Rückmeldungen seitens Schüler- und Lehrerschaft steht nun fest: Es wird eine Fortsetzung geben, die nächste Lesenacht ist bereits in Planung. Zur Entfaltung der eingangs zitierten Macht von Büchern wird es am JBG also auch künftig Raum und Zeit jenseits des unterrichtlichen Rahmens geben, auf dass Heinrich Heine unwiderlegbar recht behalte.

Sieber/Wilm